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MGV Hämmern

bild:Mgv.gif

150 Jahre Vereinsgeschichte umfassen eine Fülle von bemerkenswerten Geschehnissen, eine Vielzahl verdienter Männer, Jahre der Blüte und auch Krisenzeiten, Begeisterung und Stolz aber auch Niedergeschlagenheit und Sorgen.

Nach glaubwürdiger Überlieferung entstand der MGV 1850 Hämmern zwar schon im Jahre 1849, als der erste Dirigent des Chores, Herr Karl Huppert, eine Schar sangesfreudiger Dorfbewohner um sich scharte. Für die Festlegung der Jubiläen wurde aber das Jahr 1850 zugrunde gelegt, weil der erste Auftritt der Chores in diesem Jahr durch seine Verbindung mit der deutschen Geschichte mit Sicherheit feststeht. Im Jahre 1850 sang der MGV Hämmern zusammen mit anderen Chören vor dem Prinzen von Preußen, dem späteren Kaiser Wilhelm I, im Schloß Bensberg, als dieser sich nach der Revolution als Militärgouverneur im Rheinland aufhielt.

Der junge Verein fand im dem damaligen Besitzer der Hämmerschen Fabrik, Herrn W. A. Johanny Abhoe einen guten Freund und Gönner. Er half dem Verein über die ersten Klippen hinweg und gestattete den Sängern in dem Fabrikspeisesaal die wöchentlichen Gesangproben abhalten zu dürfen. Nach vielen Jahren, als der Speisesaal zu maschinellen Diensten gebraucht werden musste, verlegte der Verein sein Probelokal in das Restaurant des Herrn Reinshagen, später Julius Roßbach, wo der Verein unter dem Vorsitz von Herrn Walter Roßbach bis Ende 1922 blieb.

Die noch erhaltenen Aufzeichnungen zur Geschichte des Chores beginnen mit der Eintragung aus dem Jahre 1896, die den Anschluss des Männer-gesangvereins „Wohlgemuth“ zu Grunewald an den Männergesangverein Hämmern betrifft, der damals noch den Beinnamen „Eintracht“ führte.

Aus der Zeit vor 1896 sind nur drei Geschehnisse bekannt. Am 10. März 1857 gab der MGV Hämmern in der Ruhmeshalle in Hückeswagen ein Konzert und übertraf mit seinen Leistungen alle Erwartungen. Im Jahre 1858 sang der Verein in der Pfarrkirche Wipperfürth die vierstimmige Messe von Haßlinger. 1871 empfing der Verein die aus dem Kriege heimkehrenden Soldaten am Grenzstein zwischen Wipperfürth und Hückeswagen.

Dem ersten Dirigenten des Chores, Herr Karl Huppert, der den Verein 24 Jahre leitete und dem man wegen des gelungenen Auftritts vor dem Prinzen von Preußen dem Beinamen „Bergische Nachtigall“ gab, folgten in der Zeit von 1873 – 1895 die Herren Wink, Wolf, Kaiser, Mostert und Bosbach.

Von 1896 bis 1921 hat dann Herr Otto Schmidt, mit einer fünfjährigen Unterbrechung von 1898 – 1903, in der Herr Mostert wieder das Dirigat übernahm, den Chor geleitet. Unter diesem Dirigenten entwickelte der Verein ein beachtliches Leistungsstreben. Man nahm an sieben Wettstreiten teil und erreichte zufriedenstellende Ergebnisse.

Während des ersten Weltkrieges konnte der Probenbetrieb nur in beschränkten Umfang aufrechterhalten werden. Nach dem Krieg stieg die Mitgliederzahl erheblich an. 1920 zählte der Chor 52 Mitglieder.

Dass die Arbeit des Vereins in diesem Zeitabschnitt nicht immer sorglos ablief, sondern meist mit ganz erheblichen finanziellen Schwierigkeiten belastet war, wird aus dem Umstand ersichtlich, dass man trotz eines zu diesem Zweck bereits am 8. August 1897 gegründeten Fonds bis zur für das Jahr 1900 geplanten 50-Jahr-Feier die Mittel für die Anschaffung einer Vereinsfahne nicht zusammenbrachte. Das damals wohl als sehr wichtig erachtete äußere Zeichen des Vereins konnte erst 1905 angeschafft werden. Das Jubiläum wurde deshalb erst mit Verspätung am 11.- und 12. Juni 1905 gefeiert. Die so mühsam zusammengesparte Fahne wurde dann im Jahre 1908 ein Raub der Flammen, als das Vereinslokal niederbrannte. Da die Fahne versichert war, konnte jedoch im gleichen Jahr eine neue angeschafft werden, die bis heute erhalten blieb und jüngst aufwendig restauriert wurde.

Am 1. Dezember 1922 wechselte der Verein vom Probelokal Roßbach in das Lokal Johann Hebbinghaus, Hilgersbrücke über, welches bis zum heutigen Tage Vereinslokal ist. Vereinswirt ist Peter Hebbinghaus, Enkel des Johann Hebbinghaus und Sohn des 1968 verstorbenen Willi Hebbinghaus, der fast 50 Jahre Mitglied des Vereins war.

Aufgrund der galoppierenden Inflation, so berichtet die Chronik am 24.06.1923, wurde der Monatsbeitrag auf 1000,- Mark erhöht und Dirigent Risse erhielt jeden Sonntag sein Gehalt ausgezahlt.

Am 06. Januar 1924 ist von einem Kassenbestand von 29 Milliarden 646 Millionen 806 Tausend 618 Mark geschrieben und Dirigent Risse wurde für einige Zeit nur noch in Naturalien entlohnt.

Am 01. und 02. August 1925 wurde das 75-jahrige Jubiläum teils in Hämmern, teils in der Kaiserhalle in Wipperfürth gefeiert. Vorsitzender war während der gesamten Zeit Herr Theodor Schmitz, der als Lehrer in Hämmern tätig war. Zum großen Bedauern des Vereins musste der Vorsitzende 1931 die langjährige Zusammenarbeit mit dem Dirigenten, Herrn Gustav Risse, beenden, da der Verein auf Grund der allgemeinen wirtschaftlichen Notlage das Dirigentenhonorar nicht mehr aufbringen konnte.

Ihm folgten die Herren Frößler und Metzler, beides Mitglieder des Vereins, die unentgeltlich den Chor dirigiert haben. In den Jahren 1947 – 1949 dirigierte dann Herr Willi Enkel den Verein, bis Herr Musikdirektor August H. Kurschat den Taktstock in die Hand nahm.

Am 15.07. und 16.07.1950 wurde das 100-jährige Jubiläum gefeiert. Die Veranstaltungen fanden in einem in Hämmern errichteten Festzelt statt. Frau Antonie Kersting übernahm 1950 die Schirmherrschaft über den Verein. Im Oktober 1955 wurde Herr Chordirektor Werner Koester aus Oberbantenberg/Wiehl als neuer Dirigent verpflichtet. Durch sein hervorragendes musikalisches Können, seine Einsatzbereitschaft und sein pädagogisches Geschick gelang es Herrn Koester in kurzer Zeit, den Chor auf ein hohes Leistungsniveau zu bringen. Es begann eine neue Gesangs- und Erfolgsepoche für den MGV-Hämmern. Kontinuität in der Vereins- und Vorstandsarbeit sowie das erklärte Ziel zum Leistungsgesang waren die Voraussetzung für kommende Erfolge.

Zu Rundfunkaufnahmen wurde der MGV erstmals 1963 zum WDR nach Köln eingeladen. Weitere Aufnahmen schlossen sich 1966, 1970 und 1973 an.

Unter dem Motto „So klingt es im Bergischen Land“ gastierte der WDR 1977 zu Gast in Wipperfürth. Auch der MGV-Hämmern war zu dieser Veranstaltung eingeladen und trug einige Lieder vor. Gereift durch die Schulung des begabten Dirigenten stellte sich der Chor nach erfolgreich überstandenem Kreis- und Bezirkssingen 1966 der Jury zum Bundesleistungssingen und errang in Stolberg bei Aachen erstmals den Titel „MEISTERCHOR“ von Nordrhein-Westfalen.

Auf eine Krankheit von Dirigent Koester Rücksicht nehmend, gewährte der DSB freundlicherweise eine verspätete Titelverteidigung, die dann im Jahre 1974 in Iserlohn erfolgreich gelang. Weitere Meisterchor-Titel wurden dann 1979 ( in Stolberg ), sowie 1984 und 1989 ( in Olpe/Westfalen ) errungen.

Mit einen Festkommers am 31. Mai 1975 unter der Mitwirkung von 8 Gastchören wurde das 125-jährige Jubiläum im Festzelt auf dem Schützenplatz der Gaststätte Floßbach in Hämmern gefeiert. Zum Abschluss des Jubiläumsjahres fand in der Mühlenberghalle/Wipperfürth ein großes Festkonzert statt.

Von Herrn Römmeler übernahm Herr Heinz Dahl im Jahre 1967 den Vereinsvorsitz, den er 28 Jahre inne hatte. Mit Umsicht und Fingerspitzengefühl verwaltete er sein Amt zum Wohle des MGV-Hämmern. Auf seine Initiative hin konnte im Jahre 1969 Frau Marga Zach als Schirmherrin für den MGV gewonnen werden. Nach Rücktritt von Heinz Dahl im Jahre 1995 übernahm Hans-Jürgen Zimmermann den Vorsitz des Vereins. Für seine Verdienste um den MGV-Hämmern wurde der scheidende Vorsitzende zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

In das Kulturgeschehen der Stadt Wipperfürth ist der MGV-Hämmern stets fest eingefügt gewesen. Anspruchsvolle und volkstümliche Konzerte sind der Grund für einen hohen Bekanntheitsgrad, der über die Gemeindegrenzen hinaus geht.

So dürfen nicht unerwähnt bleiben, die großartigen Auftritte mit dem Startrompeter Walter Scholz und seinem Orchester im Jahre 1993, sowie das Konzert mit den „Mainzer Hofsänger“ im Jahre 1996. Im Oktober 2000 veranstaltete der MGV Hämmern zu seinem 150-jährigen Jubiläum ein Konzert mit dem Trientiner Bergsteigerchor S.O.S.A.T.. Die Veranstaltung war bis auf den letzten Platz ausverkauft, so dass sich in den Verkaufshallen der Firma Ford Bergland Hämmern über 900 Zuhörer befanden.

Dass der Verein jedoch nicht einseitig leistungsorientiert ist, sondern auch Frohsinn und Entspannung zu ihrem Rechte kommen, beweist die Vielzahl von Veranstaltungen geselliger Art. Hervorzuheben sind die seit 1968 alljährlich gefeierten Sommerfeste und die mehrtägigen Reisen.

Zu seinen vornehmen Aufgaben zählt der MGV-Hämmern Auftritte bei den Dorfvereinen, sowie Ständchensingen bei Altersjubilaren, Behinderten und Kranken.

Nach 42 verdienstvollen Jahren beim MGV-Hämmern wurde Herr Koester im April 1997 mit einem großartigen Konzert in der Aula des E.v.B.- Gymnasiums verabschiedet.

Die ausserordentliche Bilanz mit Herrn Musikdirektor Werner Koester, dem dieser ehrenvolle Titel im Jahre 1977 vom Fachverband Deutscher Berufs-chorleiter verliehen wurde, stellt sich wie folgt dar: In 21 Wettstreiten 36-mal erster Sieger, 24-mal zweiter Sieger, 6-mal höchste Tageswertung, 11-mal erhielt Herr Koester den Dirigentenpreis. 5-mal führte er den MGV-Hämmern zu Meisterchorehren.

Von Juni 1997 bis Mitte 2000 hat Herr Bernhard Nick (Regionalkantor an St. Marien in Radevormwald) die musikalische Leitung des Chores übernommen. Durch seine Vermittlung erhielten wir im November 1997 Gelegenheit, gemeinsam mit dem MC Eintracht Köln-Porz, ein Konzert in der Philharmonie Köln zu bestreiten.

Weiter dem Leistungsgesang verschrieben, konnte im Mai 1998 in Wilnsdorf / Siegerland der Titel „ Leistungschor Stufe II „ des Sängerbundes NRW errungen werden.

Es war schon eine besondere Herausforderung, der sich der MGV-Hämmern in seinem Jubiläumsjahr gestellt hatte. Es galt, die im Industriegebiet Hämmern befindliche Omnibushalle der Oberbergischen Verkehrsbetriebe, mit ihren unvorstellbaren Ausmaßen von 108 Metern Länge und 30 Metern Breite in eine Festhalle zu verwandeln. Die ca. 3.000 Quadratmeter große Halle allein war von den Dimensionen einfach zu groß. So kam man auf die Idee, gleichzeitig im Eingangsbereich der Halle eine Gewerbeschau örtlicher Unternehmen durchzuführen. Insgesamt konnten für diese Idee 22 Aussteller begeistert werden. Die Baumschule Geesdorf aus Hückeswagen hatte so viel Grün herbeigeschafft, dass die ganze Halle wunderschön mit Bäumen und Sträuchern ausgekleidet werden konnte.

Am 12.Mai 2000 begingen wir unseren Festakt zum 150-jährigen Bestehen des MGV-1850-Hämmern. Der musikalische Reigen wurde vom Musikverein Wipperfürth eröffnet. Für den weiteren musikalischen Rahmen sorgten 8 Chöre aus Wipperfürth und Hückeswagen.

Wie im Gürzenich fühlte sich auch Landrat Hans-Leo Kausemann, einer der vielen Gratulanten, die uns beim Festkommers ihre Glückwünsche überbrachten. Über 800 Besucher und Mitwirkende hatten es sich nicht nehmen lassen, diesem Ereignis beizuwohnen.

Einen Tag später stand ein großes Freundschaftssingen auf dem Programm. Rund 800 Sängerinnen und Sänger in 24 Vereinen nahmen daran teil.

Als ob der Verein im Jubiläumsjahr 2000 nicht genug um die Ohren gehabt hätte, stand auch noch ein Chorleiterwechsel ins Haus. Ein glücklicher Zufall war es, der dem MGV-Hämmern in der Not weiterhalf. Denn aus der vorübergehenden Lösung in Gestalt des Kreischorleiters, der den Chor bis zu seinem Konzert mit dem Trientiner Bergsteigerchor dirigieren sollte, ist eine Dauerlösung geworden. So ist seit Mitte 2000 Herr Konrad Ossig der neue Chorleiter des Vereins. Das Dirigat hat er unter der Vorraussetzung angenommen, dass sich der Chor weiterhin dem Leistungsgesang widmet.

Durch eine Anzahl junger Sänger hat sich der Chor verstärken können. In Verbindung mit dem jungen Vorsitzenden und dem neuen Chorleiter ist ein Generationenwechsel vollzogen. Ein Neuaufbau von unten her hat begonnen zur Wahrung der langjährigen Tradition.

Die über 150-jährige Geschichte unseres Vereins erfüllt uns mit Stolz und Freude. Sie ist uns aber auch zugleich Verpflichtung, alles zu tun für ein erfolgreiches Fortbestehen des MGV-1850- Hämmern.

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